Die private Rentenversicherung ist eine der populärsten Formen der Altersvorsorge in Deutschland — und gleichzeitig eine der am häufigsten falsch verkauften. Sinnvoll ist sie nicht für alle: Klassische Rentenversicherungen mit Garantiezins (aktuell 0,25 % bis Ende 2024, danach erneut zu prüfen) lohnen sich in der heutigen Niedrigzinsphase kaum noch — fondsgebundene Varianten (FRV) mit ETF-Bausteinen sind je nach Steuersituation oft attraktiver, aber auch komplexer.
Die gesetzliche Rente ersetzt aktuell rund 48 % des letzten Brutto-Einkommens (vor Steuern) — Tendenz fallend. Wer also 4.000 € Brutto verdient, erhält gesetzlich rund 1.920 € Rente brutto (vor Steuer und Sozialabgaben). Real bleiben oft nur 1.400-1.500 € netto. Diese Lücke zum bisherigen Lebensstandard muss privat geschlossen werden — entweder über betriebliche Altersvorsorge (bAV), Riester, Rürup, ETF-Sparpläne oder eben die private Rentenversicherung.
Sinnvoll ist die private Rentenversicherung vor allem in vier Konstellationen: 1) als steueroptimierter Baustein nach der '12/62-Regel' (Verträge mit mindestens 12 Jahren Laufzeit und Auszahlung ab 62 sind hälftig steuerfrei), 2) als lebenslange Rentengarantie zur Absicherung des Langlebigkeitsrisikos, 3) für Selbstständige ohne Anspruch auf gesetzliche Rente und 4) als Ergänzung zur Pensionsanwartschaft bei Beamten. Wer keine dieser Konstellationen erfüllt, fährt mit einem ETF-Sparplan oft besser.
Nicht sinnvoll ist die klassische Rentenversicherung mit hoher Provision und niedrigem Garantiezins, wenn Sie unter 35 sind und über 30 Jahre Anlagehorizont haben — hier schlägt ein passiver ETF-Sparplan die meisten klassischen Rentenpolicen renditeseitig deutlich. Auch bei flexiblem Lebenslauf (Auswanderung, Selbstständigkeit, lange Auslandsaufenthalte) ist eine starre 30-Jahres-Police selten ideal.